Slowenien
Oder, eine feuchte Angelegenheit!
Wir schreiben das Jahr 2003. Acht Biker suchen schon im Winter ein Ziel für die nächste Motorradtour. Wir machen mal etwas anderes, hieß es. Immer nur zum Chiemsee ist langweilig! Und so wurde mir die Aufgabe zu Teil, eine Liste zu erstellen, auf der alle Biker eintragen konnten, wohin es denn gehen sollte. Nach der Auswertung stand fest, unser Ziel heißt Slowenien. Fritz meinte in Bled sei es schön, und so war auch ein Zeltplatz schnell gefunden. Die Abreise sollte diesmal nicht im Mai, wie sonst immer sein, sondern im September, weil einfach das Wetter im September besser ist. Das Wetter..... 2003` war ein Jahrhundert-Sommer und so hatten wir auch keine Bedenken, nach endlos langen Sommerwochen, öfter mal nass zu werden. Nun ist es aber so, dass wo wir gerade hinfahren, immer eine Regenwolke zu finden ist. So auch diesmal. Die Fahrt in Richtung Osten über Obertauern und den Wurzenpass war noch bei Sonnenschein und hohen Temperaturen und so gestaltete sich das Aufbauen der Zelte noch zu einer schweißtreibenden Tätigkeit. Danach schmeckte unser wohlverdientes Bier dann auch noch mal so gut. Neue Zelte und jede Menge Dinge, die das Zelten einfach machen waren auch dabei. Also brauchten wir nur noch einen Kasten Bier und einen Grill und der Abend konnte kommen. Allerdings hatte keiner auf die Uhr geschaut und das mit dem Bier und dem Grill konnten wir aufgrund geschlossener Geschäfte schon mal knicken. Egal, morgen ist auch noch ein Tag. Ach ja, wenn ich schreibe, neue Zelte, meine ich natürlich nicht alle. Unsere Proficamper Axel & Fritz wohnten natürlich immer noch in ihrem Aldizelt aus erster Stunde. Etwas ausgeleiert wollte es dann auch nicht so richtig stehen. Aber jede Menge Bäume drum herum, an denen man ja wieder die Strippen befestigen kann, sollte eine gewisse Standfestigkeit ergeben. Der Tag war lang, die Nacht war kurz und die erste Tagestour konnte beginnen. Ein paar Pässe und die Grenze zu Österreich überwunden, und schon waren wir am Wörthersee. Cafetrinken und Bootfahren muss man in jedem Urlaub, also auch auf Tour. Nachdem wir auch diese Dinge erledigt hatten, sollte es weitergehen. Zunächst versperrte uns aber ein Harleytreffen das weiterfahren. So viele Bike`s auf einmal hatten wir noch nie gesehen. Aber auch dieses Hindernis wurde bewältigt. Andere Unzulänglichkeiten bereiteten uns da mehr Probleme. Denn nachdem wir uns auf den Rückweg begaben und die Auffahrt zum nächsten Pass ansteuerten, stellten wir fest, das dieser geschlossen war. Aber egal, fahren wir halt den nächsten. Nur, dieser kleine Umweg führte uns erst einmal nach Italien. Schon beim letzten Stop roch es etwas stark an irgendeinem Bike. Als wir nun wieder Halt machen mussten, um nach dem Weg zu fragen, versagte Tommys Zweirad seinen Dienst. Der herbeigerufene Service über den ADAC machte auch nicht den kompetentesten Eindruck, und so mussten wir Tommy ohne seinen fahrbaren Untersatz mit zurück zum Zelt nehmen. Allerdings war es inzwischen so gegen 24 Uhr und die Strecke zurück nach Slowenien führte noch über den Virsigpass, der mit seinem Kopfsteinpflaster in den Spitzkehren schon tagsüber eine nicht ganz einfach zu fahrende Strecke ist. Zu allem Überfluss fing es in dieser Nacht auch noch an zu Regnen. Links geht es ab in die Tiefe und sehen kann man auch nichts. Einfach atemberaubend!!! Der Regen wurde stärker und am Morgen waren außer uns nur wenige Camper auf dem Gelände. Warum nur? Vermutlich kannten die Eingeborenen ihr Wetter besser, als wir. Frühstück eingenommen und ab in den Regenkombi, der allerdings vom Vortag noch nicht trocken war. Bei Regenschauern und Nebel Richtung Italien und Tommy`s Zwiebel abholen. Dummerweise hatte der Monteur, der schon am Tag zuvor nicht den besten Eindruck hinterlassen hatte, das Motorrad immer noch nicht im Griff. Und so kam es, dass wir hinter einem Lieferwagen, in dem sich das Zweirad befand, bis nach Udine zu einer Yamaha Werkstatt fahren mussten. Die Reparatur hier sollte dann nur ein paar Minuten dauern, aber der Tag war auch im A....... Zurück, im Regen natürlich, über die Bahn, bis zum Zelt. Affenscharf. An diesem Abend hatten wir uns etwas verdient. Im Zelt hatte Wasser die Oberhand gewonnen und so beschlossen wir, ein Taxi zu rufen, das uns zu einer Insiderkneipe bringen sollte. Zu Hause, bei Leuten die schon mal hier gewesen waren, erzählte man sich, es gäbe große Schnitzel hier. Für unsere immer hungrigen Biker genau das Richtige. Als die Bedienung einen Teller brachte, auf dem sich unserer Meinung nach die Portionen für den ganzen Raum befand, wussten wir noch nicht, dass dieses die Portion für nur einen Biker war. Nach 20zig Kilogramm Schnitzel, einem LKW voll Pommes und einem Salatfeld waren dann doch alle Chiembiker so satt, das die Regenfälle in der Nacht nicht zur Kenntnis genommen wurden. Ok, das ein oder andere Bier hatte vielleicht auch was damit zu tun. Am Morgen seichte es immer noch. Aber wenn man schon einmal in der Nähe des Mittelmeeres ist, fahren wir doch mal hin. Hier wird das Wetter ja wohl besser sein! War es auch. Denn schon auf der Autobahn hörte es auf und in Piran an der Küste war es richtig warm. Aber schon beim Essen holte uns die Wirklichkeit wieder ein. Kurz überlegt ob, man vielleicht ein Zimmer mietet, oder besser gesagt eine Bruchbude, denn was anderes hätten wir nicht bekommen, entschlossen wir uns dann doch zur Rückfahrt. Schön langsam, vorbei an einem zerlegten Porsche, den man im Regen gerade noch so erkennen konnte, weil er uns 2 Minuten vorher mit erhobenem Finger überholt hatte, kamen wir am Abend in Bled wieder an. Am Morgen im nassen Schlafsack wurde die Endscheidung getroffen, diesen unwirklichen Ort zu verlassen. Die letzte Nacht sollte in einem Hotel verbracht werden, damit sich keiner eine Lungenentzündung holt. War auch gut so. Auf dem Weg zum Großglockner hatte Petrus mit uns ein Einsehen und schenkte uns viel Sonnenschein. Erst mit dem Aufstieg zum großen Berg verdunkelte es sich wieder. Am Gletscher, der kaum noch zu sehen war, weil dieser großartige Sommer die Schneemassen zum Schmelzen gebracht hatte, machten wir dann die obligatorische Cafepause. Noch mit dem Tablett in der Hand versicherte uns die Bedienung, wenn wie nicht sofort fahren würden, wäre die Abfahrt nach Deutschland gefährdet. So war es dann auch. Denn als wir wieder zu unseren Motorrädern kamen, waren diese mir einer schönen dicken Schneeschicht bedeckt. Mit der Abfahrt nach Deutschland war es dann natürlich nichts mehr.
So kam es, das wir bei dieser Tour zwar dem letzten Schnee des Jahres entkommen waren, den ersten aber in vollen Zügen genießen konnten. Zurück Marsch, Marsch wir fahren durch den Tauerntunnel. In München angekommen stellten wir fest, dass es mit dem Wetter wohl kaum hätte schlimmer kommen können. Trotzdem, die nächste Tour wird kommen und die wird mit Sicherheit in die Sonne gehen. DK