Der Anfang vom Ende

Kärnten 2006

Der Winter war lang, und die Chiembiker scharrten schon mit den Füßen, um eine neue Tour starten zu können. Die Motorräder waren in den meisten Fällen schon geputzt und die letzten Reparaturen von der letzten Saison waren erledigt.

10 Leute wollten wir sein, am Ende waren`s nur noch sieben. Mike, Uwe und Dirk sagten noch kurzfristig die Tour aus verschiedenen Gründen ab. Was soll`s.... , wir haben auch so unseren Spass. Die Richtung Kärnten war uns von vor 2 Jahren ja noch bekannt und wenn ich mich recht erinnere, sagten wir uns darmals, dass es ein viel schlechteres Wetter im Sommer wohl nicht geben könnte. Weit gefehlt, liebe Chiembikerfreunde. In 30 Jahren Motorradfahren habe ich eine solche Sch... noch nicht erlebt.

Am Zug in München schien die Welt noch in Ordnung zu sein. Denn obwohl wir ja mit ein wenig Regen gerechnet hatten, weil uns das der Wetterbericht auch so vorhergesagt hatte, war die Anfahrt in die Berge trocken. Nach etwa 1 Std. begann es dann aber doch etwas nass zu werden. Kein Problem....!, denn man hat zwar Sommersachen an, aber ein Regenkombi gehört zur Standartausstattung eines jeden Tourenfahrers. Und im übrigen war ja für Kärnten ein zwar nicht Superwetter angesagt, aber ein durchaus Freundliches. Eine weitere halbe Stunde verging und unsere sieben Biker waren bis auf die Haut nass. Die Temperaturen in den Bergen ähnelten dehnen, die in einem warmen Dezember hier wohl vorherrschen, so ungefähr nahe dem Gefrierpunkt. Grrrrrrr... Jedenfalls war das die Auskunft eines Tankwarts in Radstatt.

Zitternd fuhren wir weiter. Kalt ja, nass ja, aber freundlich waren die Leute hier. Denn jeder zweite LKW oder PKW Fahrer wedelte freundlich mit den Armen, als wir hinauf auf den Tauernpass wollten. Irgendwann auf der Hälfte der Strecke wurde uns dann bewußt, warum die Winkerei immer mehr wurde. Wir hielten an, um die letzen trockenen Handschuhe aus dem Gepäck zu hohlen und Perdis Bordinstrumente zeigten eine Temperatur unterhalb der Nullmarke. Das erklärte dann auch, warum der Regen eine weiße Farbe annahm. Alle Autos, die uns den Berg runter entgegen kamen, hatten auch eine weiße Schicht auf dem Lack.

Also zurück und erst mal sehen, wie wir doch noch zu unserer Pension kommen können. Der Tauerntunnel sollte es sein. Aber ein Unglück kommt selten alleine. Denn nicht nur wir, sondern auch ein paar andere Verkehrsteilnehmer hatten nicht mit dem überraschenden Wintereinbruch gerechnet. Und deshalb staute sich der Verkehr vor dem Tunnel ins uferlose. Aber man will weiter und ein Randstreifen auf dem niemand steht, ist verlockend.

Lange Rede kurzer Sinn, nach vier Stunden, völlig fertig, tauchte vor uns in völliger Dunkelheit die Pension Haus Riener auf. Hier gab es dann auch eine Heizung und eine warme Dusche.

An dieser Stelle soll dann auch gesagt werden, dass unsere Pensionswirtin ein Engel auf Erden war. Dass wir ein Zimmer weniger brauchten als gebucht, war für sie noch das kleinste Problem. Wenn irgendetwas zu besorgen war (Grillkohle) oder beim Frühstück Sonderwünsche zu erfüllen waren, für unsere Wirtin kein Problem. Selbst Kuchen oder Kartoffelsalat. Nochmals vielen Dank!!

Der zweite Tag: Nunja, wir waren mitten in der Nacht angekommen, Frostbeulen an den Händen und immer noch nicht völlig auf der Höhe, verbrachten wir den ersten Tag unserer Motorradtour auf einem Seedampfer. Schaukeln statt Kurven. Gegen Abend war immer Hunger angesagt. Und was wir dann erleben dürften, entschädigte für die verkorkste Hinfahrt. Ohne es zu wissen, führte uns der Weg in ein Restaurant, dessen Inhaber ein nicht völlig unbekannter war. Zwar nicht in den Kreisen, in dehnen sich normalerweise Biker bewegen, aber in Kreisen der Alpenfreunde älteren Semesters. Unzählige goldene Schallplatten zierten die Wände und bei der Nachfrage nach dem Herrn des Geschehens wurde uns Hans, der Besitzer vorgestellt. Seineszeichens Urheber des Nockalmquintett`s. Vorher noch nie was von gehört.... . Aber bei Nachfrage bei einer älteren Dame (meiner Mutter) stellte sich heraus: durchaus bekannt. Hans und seine Band waren echte Frohnaturen und so kam es, dass dieser Abend noch richtig lustig wurde. Hier nur ein kleiner Ausschnitt.... "Heut is moin olte gestorbn, heut bin i ledig gworden....."

Ach ja, Motorrad sind wir auch gefahren, und zwar am nächsten Tag. Slowenien, Italien; über den Wurzenpass Richtung Bled- Tomin. Und dann, eine fantastische Abfahrt rund um den Tiglav. Kurven ohne Ende und - hoppla - verfahren. Das Schild vor dem wir standen, verwies auf den Weg nach Lubiana in ca. 20 km. Egal, kurz nachgefragt, die Richtung geändert und wieder nur Gegend und Kurven. Das machte so viel Spass, dass wir das mit dem Verfahren gleich noch einmal wiederholen mussten. Denn das nächste Schild vor dem wir standen, hatte den Aufdruck "Udine 10 km". Irgendwie ist uns die Heimfahrt dann doch noch gelungen. 500 km für die erste Tour war nicht schecht.

Der vierte Tag fing mit reichlich Sonne an. Die Richtung? Klar Italien. Über den Weissensee zum Nassfeldpass. Wie der Name schon sagt "Nassfeldpass". Mehr muss man ja wohl nicht sagen.

Der fünfte Tag: Wir blieben im Tal und trocken. Also fuhren wir zum Wörthersee. Durch die Täler fahren kann ja auch mal ganz nett sein. Da Volkers Motorrad einen grösseren Ölverbrauch als Benzinverbrauch hatte, bot sich die Gelegenheit, einen BMW-Händler aufzusuchen. Dieser stellte auch sofort fest, dass es sich bei diesem Bike in den ersten 5000 km um ein Ölverbrennungsfahrzeug handelt und ein Ölverbrauch von einem Liter auf 1000 km normal sei. Wieder was dazu gelernt. Wozu so eine Motorradtour doch alles gut sein kann.

Am sechsten Tag hatten wir dann ein erneutes Highlight. Schon mal was von der Nockalmpanoramastrasse gehört? Wir auch nicht. Also rauf auf den Berg. Natürlich mit Maut. Aber die hatte sich dann doch gelohnt. Eine Strasse mit 52 Kehren und auch auf Schildern deutlich gemacht, wie für Biker gemacht. Super Sonne, vielleicht ein bisschen kühl, aber sonst ein wunderschöner Tag. Der sollte auch noch nicht beendet sein. Denn bei unserer Rückfahrt machten wir noch einen Schlenker in das Maltatal. Ist eine Sackgasse, die über einen Pass der mit allem versehen ist, was so ein Alpenpass haben sollte: Schöne Aussicht, Tunnel, Ampel??? Maut???

Die Rückfahrt war dann am letzen Tag etwas knapp bemessen. Denn wir mussten gegen eins bei der Verladung in München sein. Deshalb kamen Kurven und Alpen und alles andere etwas zu kurz, obwohl die Strecke durchaus schön war. Das letzte Stück mussten wir dann ab Kitzbühl sogar Autobahn fahren, um noch rechtzeitig am Zug sein zu können. Bäh...

Diesesmal haben wir versucht auch einen guten Film zu drehen. Wenn ihr Lust habt, schaut doch mal rein.

 

 

Bis dahin ............DK

Einmal im Jahr müssen

wir auf Tour

und das sind wir!